Die Künstlerstipendien in Willingshausen

Die Stipendiaten für 2014

Die Jury für das Künstlerstipendium Willingshausen hat 2014 zwei Stipendien vergeben. Ausgewählt wurden Romina Abate und Jana Lange. Die Ausstellung von Romina Abate ist ab 27. November zu sehen.

Die Stipendien werden getragen von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, art regio – einem Kulturengagement der SparkassenVersicherung –, der Gemeinde Willingshausen und dem Schwalm-Eder-Kreis. Sie beinhalten jeweils drei Monate Arbeitsaufenthalt mit Atelier und Wohnung bei monatlich 1.000 Euro, die Ausstellung der entstandenen Arbeiten in der Kunsthalle im Gerhardt-von-Reutern-Haus in Willingshausen und eine Unterstützung von 5.000 Euro für die Produktion eines zweisprachigen Kataloges.

Willingshausens Bürgermeister Heinrich Vesper eröffnete in der Kunsthalle das Kunstjahr und damit gleichzeitig ein Jubiläum: Vor 200 Jahren kam Gerhardt Wilhelm von Reutern, Gründer der Künstlerkolonie, nach Willingshausen.

Über 80 Besucher hatten den Weg in die Kunsthalle gefunden. Sie erlebten einen gelungenen künstlerischen wie auch kulinarischen Abend. An von Reuterns Herkunft angelehnt, stand der Abend im Zeichen Osteuropas. Bernhard Balkenhol, Kurator des Künstlerstipendiums, stellte die Künstlerinnen und Stipendiatinnen Jana Lange und Romina Abate vor. Sie werden drei Monate in der Schwalm leben und arbeiten.

Als besondere Überraschung trug Bettina Riehl, Vertreterin der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Schwälmer Tracht und stellte damit die Verbundenheit der Künstlerkolonie mit dem Schwälmer Land heraus.


Die Stipendiatinnen:

Romina Abate, 1982 in Friedrichshafen am Bodensee geboren, studierte 2006-11 Kunstpädagogik bei Dorothee von Windheim und bis 2012 Bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel bei Prof. Mathilde Ter Heijnen und Prof. Florian Slotawa. Sie ist zurzeit Meisterschülerin bei Prof. Florian Slotawa. Sie erhielt 2009 das „KiSS- Projektstipendium für Kunsterzieher“, unterstützt durch das Siemens Art Programm und der Robert-Bosch-Stiftung, 2011 das Künstlerresidenzstipendium, Skaftfell Center for Visual Art in Island und ist seit 2010 Stipendiatin des Cusanuswerks, Bonn. Romina Abate lebt und arbeitet in Kassel.

Das Fragen, Forschen und Überprüfen, das Durchspielen einer These und gleichzeitig deren Antithese sind Romina Abates künstlerische Methode. Das Ergebnis kann und will zu Beginn nicht gewusst werden, es findet erst in der Diskussion ihre Form. So entstehen bildhafte Versuchsanordnungen aus Bildern und Skulpturen, keine „Kunstwerke“. Deshalb beschränkt sie sich in ihren Medien nicht, sondern wählt, was jeweils angemessen ist und funktioniert. Das reicht von Zeichnungen, Skulpturen bis hin zu Video und Performance. Ihre Installationen sind Diskussionen an der Wand und im Raum als ein cross over – nicht nur der Medien sondern auch der Argumentationen. Darin geht es um die großen Themen, das Ich und die Gesellschaft, Krieg und Frieden, Natur und Kultur, politische wie individuelle Strategien – allerdings nicht als politische Parole oder Aufklärung sondern eben als eine einfache und grundsätzliche Wahrnehmung und eine Folge von Fragen, die aus dem alltäglichen Dasein, Fühlen und Denken gestellt sind.

Während ihres Stipendiums will sie „permanente Inventur“ machen. „Ich möchte Willingshausen und seine Bewohner auf ihren Istzustand untersuchen“, schreibt sie. „Ich möchte sowohl meine Kunst um neue Kontexte und Bedeutungsebenen erweitern und diese mit dem Ort verflechten, als auch die Willingshäuser dazu ermuntern, neue Handlungs- und Interpretationsspielräume zu gewinnen, und so ein vielschichtiges Geflecht aus Verweisen herstellen zwischen Vorhandenem und Imaginiertem, zwischen lokalen und globalen Kontexten und nicht zuletzt innerhalb der Arbeit selbst.“

Romina Abate hat am 8. September ihr Stipendiat in Willingshausen begonnen. Ihre Ausstellung ist vom 27. November bis zum 23. Dezember 2014 zu sehen.

 
Jana Lange,1982 in Werne geboren, studierte 2002/2003 zunächst Biologie an der Universität Duisburg Essen, dann Kunst 2003/2004 an der Universität Dortmund und ab 2004 an der Kunsthochschule Kassel. 2009-2011 nahm sie eine Elternzeit und schloss 2012 ihr Studium mit dem M.F.A. für Visuelle Kommunikation/Fotografie bei Prof. Bernhard Prinz und Prof. Gabriele Franziska Götz ab. 2012/13 war sie Meisterschülerin bei Prof. Gabriele Franziska Götz an der Kunsthochschule Kassel. 2004-06 war sie Artist in Residence im WolfScienceCenter, Ernstbrunn/Österreich. 2012 erhielt sie den Preis der Lehrenden und Mitarbeiter der Kunsthochschule Kassel. Jana Lange lebt und arbeitet in Berlin.

In ihrer künstlerischen Arbeit setzt sich Jana Lange mit Schnittstellen zwischen Menschen und Tieren auseinander. Sie hat beobachtet, dass sich unser Verhältnis zu Tieren, zu der Natur und nicht zuletzt zu uns selbst im Laufe der Zeit in fragwürdige Richtungen bewegt hat. In medizinischen Versuchen werden Tiere zu „Krankheitsmodellen“ für die Menschen, in der Massentierhaltung zu bloßen Produktionseinheiten. Im Supermarkt kaufen wir Fleisch so verpackt, dass die Erinnerung an das Tier als lebendiges Geschöpf und an das Töten vollständig gelöscht wurde. „Heute essen wir Fleisch, aber keine Tiere mehr“, schreibt sie.

Jana Lange betreibt eine Fotografie im Wechselspiel zwischen Dokumentation und Inszenierung. Dabei gelingen ihr sehr intime Porträts von Tier und Mensch, von Situationen und Orten, in denen die Protagonisten scheinbar unbeobachtet sich authentisch existentiell verhalten. In ihren Ausstellungen und Fotobüchern kann sie diese Bilder so miteinander verflechten, dass ein fotografischer Grenzgang zwischen Natur und Kultur entsteht.

Während ihres Aufenthalts in Willingshausen will sie nach Alternativen suchen, nach Möglichkeiten mit der Natur, mit den Tieren, im Einklang, in einer Gemeinschaft zu leben. Sie fragt: „Wie sieht das Leben z.B. auf dem dortigen Bioland Hof Dorfmühle aus? Was bedeutet Bio und artgerechte Tierhaltung? Respekt vor der Natur und Respekt vor dem Tier? Kann man ein Tier respektvoll töten?“

Ausstellung vom 17. Juni bis 20. Juli 2014 unter dem Motto "In der Marmelade schwimmen Fische" als Abschluß ihrer Zeit als Stipendiatin in Willingshausen.